Klimaschutzportale: Unterstützung für Kommunen

Windkraft - ein Treiber der Energiewende. Aber auch jeder Einzelne ist gefragt. Transparent, verständlich und webbasiert zeigen die Klimaschutzportale auf, wie jeder Einzelne in seinem Ort am besten CO2-Emissionen einsparen kann. Foto: Colourbox

Wo kommen die meisten CO2-Emmissionen her und wie können sie am besten eingespart werden? Vier webbasierte Klimaschutzportale, die von der Universität in Landau und der Energieagentur Rheinland-Pfalz entwickelt wurden, können Aufschluss darüber geben, was jeder in seiner Kommune für den Klimaschutz tun kann.

Klimaschutz muss jetzt stattfinden und jeder einzelne muss anpacken. Das wird uns immer wieder von den Medien, Wissenschaft und der Politik gesagt. Doch woher weiß ich, was ich tun kann? Woher weiß ich, welche Maßnahmen meine Kommune braucht? Einige Ortsgemeinschaften entwickeln Klimaschutzkonzepte. Diese den Bürgern verständlich zu kommunizieren, stellt viele aber häufig vor Herausforderungen. Oft sind die Konzepte nicht öffentlich oder für die einfache Bürgerin und den einfachen Bürger unübersichtlich. Die Universität in Landau und die Energieagentur Rheinland-Pfalz haben webbasierte Klimaschutzportale entwickelt, die Abhilfe schaffen sollen. Die Portale sind webgestützt, transparent und öffentlich.

Klimaschutzkonzepte übersichtlich darstellen

Dr. Stefan Jergentz vom Institut für Umweltwissenschaften, der das Projekt von Seiten der Uni betreut, weiß, wie ein Klimaschutzkonzept entsteht: „Zuerst erstellt die Kommune eine Treibhausgasbilanz. Dann überlegt sie, welche Potenziale es an erneuerbaren Energien gibt, wie Energien effizienter eingesetzt werden können und wo es Einsparpotenziale gibt. Daraus wird dann ein Szenario mit einem Klimaschutzziel erarbeitet, welches zu einem bestimmten Zeitpunkt erreicht werden soll.“

Wichtig ist es dabei laut Jergentz, die Bürgerinnen und Bürger der jeweiligen Ortsgemeinde miteinzubeziehen. Bevor ein Maßnahmenkatalog erstellt wird, gibt es deshalb Bürgerforen und Veranstaltungen, bei denen Bürger sich einbringen können. Erst wenn ein Maßnahmenkatalog erstellt ist, fängt der Prozess des Klimaschutzes so richtig an. Die Schritte der Klimaschutzkonzepte sollen nun auf den Klimaschutzportalen übersichtlich dargestellt werden. Seit dem 8. Oktober sind die vier Pilot-Portale der Südlichen Weinstraße, Germersheim, Bad Dürkheim und Landau online.

Vergleichbar durch einheitliche Klimabilanzen

Für jede Verbands- und jede Ortsgemeinde gibt es eine Klimabilanz. Diese ordnet die klimawirksamen Emissionen aus Strom und Wärme oder Kraftstoffen in Form eines Kreisdiagramms den Sektoren Haushalte, Wirtschaft, Kommunen und Mobilität zu. Dadurch kann jede Bürgerin und jeder Bürger eines Ortes einsehen, wo die CO2-Ausstöße herkommen. In Bad Bergzabern entstehen zum Beispiel 52 Prozent der Emissionen aus der Wirtschaft und 17 Prozent aus Mobilität. Im benachbarten, wesentlich kleineren Kapellen-Drusweiler sind es hingegen zehn Prozent aus Wirtschaft und 53 Prozent aus Mobilität.

Klimabilanz der Ortsgemeinde Bad Bergzabern 2017

Die Ausstöße lassen sich sowohl prozentual als auch in absoluten und Pro-Kopf-Zahlen einsehen. Dabei nutzen alle vier Portale dieselbe Bilanzierungssoftware „Klimaschutzplaner“. „Dadurch, dass alle Bilanzen derselben Methodik folgen und standardisiert sind, sind sie miteinander vergleichbar“, sagt Jergentz. Klimabilanzen gebe es schon seit den 1990er Jahren. Früher hätten das meist unterschiedliche externe Bilanzierer gemacht.

Potenziale und Zukunftsszenarien

Des Weiteren zeigen die Portale Potenziale an, die sich unter anderem ergeben aus Photovoltaikanlagen, dem Repowering bestehender Windkraftanlagen, der Änderung des Mobilitätsverhaltens oder energieeffizienterer Wirtschaft. In Balkendiagrammen wird dargestellt, wie viele Emissionen die jeweilige Verbandsgemeinde im jeweiligen Bereich bereits eingespart hat und wie viele sie noch einsparen kann. Im Bereich der Photovoltaikanlagen auf Dachflächen ergeben sich die Potenziale zum Beispiel aus dem Solarkataster Rheinland-Pfalz, dass sich vor allem an den Gesamtdachflächen, -neigung, Sonneneinstrahlung und Verschattung orientiert.

Die Nutzerinnen und Nutzer der Portale können auf der Seite auch ihre eigenen Zukunftsszenarien für den Landkreis und die Verbandsgemeinden durchspielen, indem sie die einzelnen Potenziale gewichten. Wie sähe zum Beispiel ein Landau aus, dass 100 Prozent seiner Einsparmöglichkeiten aus Solarenergie nutzt, dafür 80 Prozent aus Mobilität und 50 Prozent aus der Wirtschaft?

Potenzielles Zukunftsszenario der Treibhausgasemissionen der Stadt Landau

Bürgerinnen und Bürger zum Handeln anregen

Durch die Informationen soll auch ein Umdenken in den Köpfen der Bürgerinnen und Bürger stattfinden. Treibhausgase werden in der Regel in Tonnen CO2 dargestellt. Die Einheit ist laut Jergentz für Bürgerinnen und Bürger aber schwer greifbar. „Deshalb müssen wir Relationen herstellen. So können die Nutzer der Portale zumindest schauen, was macht meine Ortsgemeinde im Sektor Haushalte, wie groß ist der Anteil des Verkehrs und so weiter.“ So würden Leute mehr ein Gefühl dafür bekommen, was sie selbst tun können. Ist die Emission durch den Verkehr zum Beispiel hoch, weiß die Bürgerin und der Bürger der Gemeinde nun, dass sie durch den Umstieg auf das Fahrrad oder durch Car-Sharing etwas bewegen kann. „In der Südlichen Weinstraße passiert das zum Beispiel schon. Das Portal holt die Leute hier bereits ab“, sagt Jergentz.

Diese sollen aber nicht nur durch die Informationen zum Handeln angeregt werden. „Auf den Portalen werden auch Bürgerforen angekündigt und dokumentiert. Außerdem kann der Stand der Maßnahmen des Katalogs eingesehen werden. Mit einem Abstimmungstool können die Maßnahmen zudem von den Bürgerinnen und Bürgern priorisiert werden“, erklärt Jergentz. Die Maßnahmenkataloge der Verbandsgemeinden und Städte sind in Steckbriefform aufbereitet und werden fortlaufend ergänzt und aktualisiert.

Vernetzung zwischen den Kommunen

Ein wichtiger Punkt der Klimaschutzportale stellt auch die Vernetzung dar. Die Kommunen können regionale Projekte anmelden, beschreiben und in die Portale einstellen. So können zum einen andere Gemeinden einsehen, welche Projekte es in der Umgebung gibt, zum anderen können sich die Protagonisten untereinander austauschen und Mitstreiter finden. „Das kann zum Beispiel wichtig sein, wenn jemand eine Idee für ein Klimaschutzprojekt hat, aber noch jemanden für die Finanzierung braucht“, sagt Jergentz. Um leichter gefunden zu werden, werden die Ideen den verschiedenen Themenbereichen zugeordnet. Die Idee eines Nutzers in Landau ist aktuell zum Beispiel, ein Mehrwegsystem für Geschirr einzurichten, das ähnlich wie das Recup-System für Trinkbecher funktionieren soll.

Jergentz entwickelte das erste Klimaschutzportal 2017 im Donnersbergkreis mit. Parallel war er auch im Beirat des Regionalbüros Mittelhardt Südpfalz für die Energieagentur Rheinland-Pfalz. Dort stellte er das Donnersberger Konzept vor und kam so in Kontakt mit der Energieagentur Kaiserslautern, die die Klimaschutzportale heute mitentwickelt. „Deren Idee war eine standardisierte Bilanzierung. Meine Idee waren die Portale. Wir haben dann gleich gemerkt, das passt zusammen“, resümiert er.

Portale werden stetig optimiert

In der Folge gab es eine Förderung des Landes Rheinland-Pfalz. Unter dem Projekt KomBiReK (kommunale Bilanzierung und regionale Klimaschutzportale) wurden die Portale in der Pilotregion mit EU-Mitteln realisiert. Die Website wird von den Klimaschutzmanagerinnen und Klimaschutzmanagern der Kommunen redaktionell betreut. „Sie stellen unter anderem den Stand des Maßnahmenkatalogs ein und betreuen die Ideenbörse“, sagt Jergentz. Die Daten werden zentral eingespeist. Im Vorfeld gab es einen Vorlauf und Schulungen im Content-Management-System, das die Klimaschutzmanagerinnen und -manager benutzen.

Bis Ende des Jahres soll es eine erste Feedbackrunde geben, in der die Kommunen angeben, was gut lief, was weniger gut lief und welche Vorstellungen sie jeweils noch haben. „Die Klimaschutzmanager werden ja weiter im Klimaschutzplaner geschult. Da kommen dann manchmal auch später noch Wünsche dazu“, sagt Jergentz. Die Portale sollen dann immer weiter ausgebaut und optimiert werden. Da das Land Rheinland-Pfalz im Klimapakt des Koalitionsvertrags plane, Kommunen bei Klimaschutzaktivitäten weiter zu unterstützen, hätte auch das Land Interesse daran, dass die Portale weiter genutzt und optimiert werden, so Jergentz weiter.

Weitere Portale sollen kommen

Jergentz hat selbst schon Verbesserungsvorschläge: „Die Datenaufnahme ist noch sehr mühsam und alt. Die Daten der Treibhausgase sind von 2017. Wenn wir auf Klimaziele und Klimaneutralität schauen, haben wir nur einen Zeithorizont von 15 bis 20 Jahren. Deshalb dürfen die Daten nicht älter als ein Jahr sein“, findet er. Jergentz prüft momentan, ob es möglich ist, Echtzeitdaten für Energieverbräuche in die Portale miteinfließen zu lassen. „Es ist auch wichtig, eine Fortschreibung der Daten zu haben, dass man sieht, was in welchem Jahr passiert ist.“

In der Pilotregion Mittelhardt und Südpfalz haben laut Jergentz zunächst die vier Kommunen Interesse gezeigt. Vier bis fünf weitere Kommunen, die sich bewerben konnten, sollen mit der Fördersumme künftig weitere Portale erhalten. Für Jergentz sind die Klimaschutzportale ein Projekt, dass weit über die Pilotregion hinaus gehen kann: „Ich habe in Baden-Württemberg Kontakte zu Energieagenturen. Ich will das Projekt unter anderem auch im Elsass, Basel oder der Metropolregion Rhein-Neckar zeigen. Laut der TAZ haben nur etwa die Hälfte aller Landkreise in Deutschland Aktivitäten für eine Verbesserung der Treibhausgasbilanz gestartet. Bundesweit könnte jedoch jede Kommune die Klimaschutzportale für sich übernehmen.“

Dr. Stefan Jergentz schloss 1999 sein Studium der Biologie an der Universität Braunschweig ab. Nach seiner Promotion 2004 begann er am Institut für Umweltwissenschaften in Landau zu arbeiten, wo er anfangs Auswirkungen von Schadstoffen auf Ökosysteme untersuchte. 2008 stieg er in den kommunalen Klimaschutz ein und koordinierte 2012 eine Potenzialanalyse für erneuerbare Energien in der Südpfalz und dem Großraum Straßburg als EU gefördertes INTERREG-Oberrhein-Projekt, was eine der Grundlage der heutigen Klimaschutzportale bildete. Erste Klimaschutzkonzepte entwickelte er dann für die Stadt Landau und die Entsorgungs- und Wirtschaftsbetriebe Landau in Form einer Treibhausgas-Bilanzierung. Heute liegt sein Hauptaugenmerk auf der Klimakommunikation.

Weiterführende Informationen:

Website der Energieagentur Rheinland-Pfalz

Artikel in der RHEINPFALZ (10. Oktober 2021)

Klimaschutzportal Kreis Donnersberg

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